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Demenz – Delir

Alle akuten psychischen Störungen, die eine organische Ursache haben und mit einer Bewusstseinstrübung sowie kognitiven Störungen einhergehen, werden als Delir bezeichnet (DSM-IV; ICD-10).

Die Begriffe «hirnorganisches Psychosyndrom (HPS)» und «akuter Verwirrtheitszustand» werden synonym verwendet. Das postoperative Delir wird auch häufig als «Durchgangssyndrom» bezeichnet. Im Unterschied zu einer chronischen Verwirrtheit bei Demenz wird das Delir als akuter Verwirrtheitszustand abgegrenzt.

Für ein Delir beziehungsweise für einen akuten Verwirrtheitszustand im Alter, unabhängig, ob eine lebenslange Behinderungserfahrung vorliegt oder nicht, gibt es verschiedene Ursachen, z.B.

  • Schmerzen
  • akute Verschlechterung von Herz- und Lungenfunktion mit der Folge einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns
  • Exsikkose (Dehydrierung infolge ungenügender Flüssigkeitszufuhr)
  • Harnwegsinfekt und generelle Infekte
  • akute Obstipation (Verstopfung)
  • Fieber
  • Stoffwechselstörungen
  • Intoxikationen (Vergiftungen) durch Medikamentenüberdosierung oder Alkohol
  • seelisch stark belastende Erlebnisse
  • psychosozialer Stress

Das Delir ist eine häufige Komplikation bei einer demenziellen Erkrankung, wobei die Gefahr besteht, dass der akute Verwirrtheitszustand wegen der Demenzerkrankung nicht wahrgenommen wird. Um ein Delir zu erkennen, ist die regelmässige, geplante und bewusste Überprüfung des mentalen Status von Menschen im hohen Alter wichtig.

Professionelle Assessment-Instrumente zur Erkennung eines Delirs sind: NEECHAM Confusion, Scale, CAM-Confusion Assessment Method, DRS-Delirium Rating Scale und MCV-Nursing Delirium Rating Scale.

Wesentliche Kriterien zur Erkennung eines Delirs im Unterschied zu einer Demenz sind:

  • Akuter, schneller Beginn
  • Symptomatik kann im Tagesverlauf wechseln
  • Störung des Bewusstseins (z.B. Schläfrigkeit)
  • Zeitliche und örtliche Desorientierung
  • Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen)
  • Denkstörungen (z.B. wahnhafte Überzeugungen, bedroht oder vergiftet zu werden)
  • Psychomotorische Unruhe
  • Angstsymptomatik
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Bei Menschen mit einer Demenz kann das Delir die Symptome der Demenz wie folgt verstärken: psychomotorische Agitiertheit (Angetriebenheit), Desorientierung, irrationale Denkmuster, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Inkontinenz, Unruhe und Ängstlichkeit.

Auch bei Menschen mit einer Demenz muss ein Delir erkannt und umgehend behandelt werden. Wesentliche Voraussetzung für eine adäquate Behandlung ist eine korrekte Diagnose. Bei der Behandlung stehen Massnahmen im Mittelpunkt, die sich auf die Ursachen beziehen:

  • Kontrolle der aktuellen Medikation
  • Medikamente nur im Notfall verabreichen
  • Auf Alkohol verzichten

Quelle und weiterführende Literatur
Werner, S. (2014). Praxishandbuch Demenzbegleitung. Göttingen.

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