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Gerontagogik und Therapeutische Ansätze

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Sensorik – Basale Stimulation

Basale Stimulation wurde von Andreas Fröhlich, einem Professor für Heilpädagogik und heilpädagogischer Psychologie, auf der Suche nach elementaren Fördermöglichkeiten für schwerstmehrfachbehinderte Kinder entwickelt.

Andreas Fröhlich beschreibt die Entwicklung der ersten Lebensjahre im Modell von sechs Orientierungs- und Erfahrungsräumen, die sich immer mehr ausweiten. Sie reichen vom Erleben des eignen Torsos (Rumpf mit Mund und Hals) über den ganzen Körper, das Bett, den (Roll-)Stuhl, das Zimmer mit Mobiliar, das ganze Haus/Heim mit Aussenanlagen bis hin zum Wohnort und darüber hinaus (ganze Welt).

In Anlehnung an früh entwickelte Erlebens- und Kommunikationsformen versucht Basale Stimulation mit den Menschen in Kontakt zu treten und diesen Kontakt aufrecht zu erhalten bzw. zu erweitern. Das Konzept geht davon aus, dass jeder Mensch, so lange er lebt, auf elementare Sinnes- und Kommunikationssysteme zurückgreifen kann. Dies trotz seinen kognitiven, somatischen und psychischen Einschränkungen. Zugangsmöglichkeiten bieten die unterschiedlichen Wahrnehmungsbereiche, die einem Menschen zur Verfügung stehen. Im Zentrum steht ein multisensorischer, körpersprachlicher Dialog – der «somatische Dialog».

Besonders bedeutsam ist der Ansatz der Basalen Stimulation bei Menschen mit einer Demenzkrankheit. Auch bei einer Kombination von geistiger und mehrfachen Behinderung und Demenzerkrankung ist die basale Stimulation ein wichtiges Instrument, um diese Menschen zu erreichen und mit ihnen zu kommunizieren.  Die basale Stimulation trägt dazu bei, dass diese Menschen sich im eigenen Körper, in Raum, Zeit und Umwelt zurechtfinden.

Im Verlauf der Krankheit, kann die Entwicklungsbewegung von der grossen weiten Welt über die sich immer stärker verdichtenden Räume in Richtung des eigenen Körpers verlaufen. Die verschiedenen demenziellen Entwicklungen zielen, wenn die Person nicht zuvor verstirbt, letztlich in Richtung des letzten lebendig erfahr- und entdeckbaren Raums, des Lebens- und Orientierungsraums des eigenen Körpers. In ihm lebt die ganze Person weiter, mitsamt ihrer im Körper verankerten Geschichte. Über die Sinnesorgane bleibt sie bis zum Ende «ansprechbar» und «berührbar».

>> Wahrnehmungsbereiche der basalen Stimulation nach Andreas Fröhlich

Basale Stimulation: Lebensthemen nach Christel Bienstein

Im Jahr 2003 wurden von Christel Bienstein die zentralen Ziele der basalen Stimulation im Konzept der aktuellen Lebensthemen neu formuliert. Als Lebensthemen gelten Themen, die im Leben eines Menschen von Bedeutung sind und ihn beschäftigen. Sie werden also aus der Perspektive des Menschen, um den es geht, formuliert und können deshalb gut für eine Prioritätensetzung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens eingesetzt werden. Nicht alle Lebensthemen sind jederzeit für den einzelnen Menschen gleich wichtig.

Als Lebensthemen gelten:

  • Leben erhalten und Entwicklung erfahren
  • Das eigene Leben spüren
  • Sicherheit erleben und Vertrauen aufbauen
  • Den eigenen Rhythmus entwickeln
  • Das Leben selbst gestalten
  • Die Aussenwelt erfahren
  • Beziehungen aufnehmen und Begegnungen gestalten
  • Sinn und Bedeutung geben und erfahren
  • Selbstbestimmung und Verantwortung leben
  • Die Welt entdecken und sich entwickeln

Weiterführende Literatur

  • Bienstein, C., Fröhlich, A. (2012). Basale Stimulation in der Pflege. Bern.
  • Fröhlich, A. (2010). Basale Stimulation in der Pflege. Das Arbeitsbuch. Bern.
  • Buchholz, T., Schürenberg, A. (2013). Basale Stimulation in der Pflege alter Menschen. Anregungen zur Lebensbegleitung (4. Auflage). Bern.
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